Die Insolvenz von manroland macht aber nicht nur betroffen, sie wird sich auf die gesamte Grafische Branche auswirken. Manroland beschäftigte zum Zeitpunkt der Insolvent rund 6.500 Personen, davon 5.000 in Deutschland an den Standorten Augsburg (Herstellung für Illustrations- und Zeitungsdruck), Offenbach (Herstellung für den Bogendruck) und Plauen (Industrielle Fertigung und Baugruppenmontage). Am wenigsten Feder lassen mußte das Werk in Augsburg. Hier sollen rund 1.500 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Durch den Verkauf des Offenbacher Werks an Langley werden 824 der 1.750 Arbeitsplätze erhalten und in Plauen hatte es am 1. Februar unter Federführung Schneiders für etwa die Hälfte der ehemals rund 700 Mitarbeiter einen Neustart gegeben. Der Insolvenzverwalter Werner Schneider selbst hält seitdem an dem Betrieb als vorläufiger Hauptgesellschafter 80 Prozent, zu 20 Prozent sind drei frühere Manager des Plauener Druckmaschinenbauers beteiligt.
Aber dies ist eher eine Zwischenlösung, denn die Mitarbeiter im ehemaligen Plauener Betrieb des insolventen Druckmaschinenherstellers manroland dürfen weiter auf einen Investor hoffen. Laut Schneider gebe es einen ernsthaften Interessenten für den Betrieb. Es sei auch hier schon bald mit einer Entscheidung zum Investor zu rechnen. Bereits heute gibt es langfristige Lieferverträge der manroland Betriebe mit dem Werk in Plauen.
Klein genug und ohne Last sind die nunmehr als neue Gesellschaften aufgestellten Schwesterbetriebe. Frei von Schulden, Pensionsverpflichtungen und Risiken sind die Teams vor allem im Hinblick auf die Zielgeraden zur drupa hoch motiviert. Der Schock war zwar sehr groß, denn man habe praktisch jeden 2. langjährigen Kollegen verloren, heißt es aus Kreisen der Belegschaften, jedoch werde die Stimmung langsam besser. Man habe großes Vertrauen in die neuen Besitzer Possehl und Langley. Man werde auf der drupa in Halle 6 gemeinsam auf einem Messestand vertreten sein und neue Lösungen “made by manroland“ vorstellen. Vor allem sei man froh nicht den Chinesen in die Hände gefallen zu sein, „das wäre der Supergau geworden“, so ein Sprecher des Unternehmens. Dankbar sei man daher den umsichtigen Verhandlungen des Insolvenzverwalters Schneider, der immer an eine zukunftsorientierte Lösung gearbeitet hat.
Nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden haben in den zwei Monaten des „Schwebezustands“ über den Jahreswechsel eine harte Zeit durchlebt. Zwar gab es an einigen Stellen Engpässe beim Service, jedoch sind die bestellten Druckmaschinen sowohl im Bereich Rolle als auch im Bogen ganz normal in Planung gegangen. Es gab Druckanläufe bei verschiedenen Druckunternehmen, erst kürzlich wurde die 96-Seiten-Rotation bei Bagel RotoOffset ist ein Unternehmen der “TSB” – Gruppe, in Meineweh und bei Weiß Druck in Monschau Betrieb genommen.
Alles in allem kann man also durchaus sagen, dass manroland mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Die Weichen sind gestellt und jetzt heißt es schlank und zielorientiert in die Zukunft gehen. Die Aufspaltung des einstigen „zweiten“ der drei großen Druckmaschinenhersteller weltweit, verändert die Marktsituation der Druckbranche. Der Wunsch der Konkurrenten nach Marktbereinigung und Kapazitätsabbau wurde nicht Realität und nun müssen sowohl die Heidelberger als auch KBA die eigenen Weichen stellen. Genau einen Tag vor der Bekanntmachung des Possehl-Deals kam dann auch die Heidelberger Druckmaschinen AG mit der Meldung raus, daß Kapazitäten und Kosten in den kommenden zwei Jahren weiterhin deutlich reduziert werden müssen, um „den veränderten Marktanforderungen“ gerecht zu werden. Insgesamt 2.000 Stellen, davon allein 1.200 in Deutschland will man einsparen. Die Einschnitte betreffen nach Angaben des Unternehmens sowohl die Produktion als auch Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb. Heidelberg hat seit 2008 schon 4.500 Stellen gestrichen und beschäftigt aktuell noch 15.600 Mitarbeiter, die meisten davon in Heidelberg und Wiesloch.
Die Kosten für das neuerliche Sparprogramm sollen bis zu 150 Millionen Euro betragen, insgesamt strebe man einen Gewinn vom 180 Millionen Euro an. Der Weltmarktführer im Druckmaschinengeschäft erwartet damit vermutlich das fünfte Verlustjahr in Folge. Im folgenden Geschäftsjahr will der Konzern dann in jedem Fall den schon länger avisierten Betriebsgewinn von 150 Millionen Euro erwirtschaften. „2013/14 sind wir auf jeden Fall positiv“, versprach Schreier.





