Druckerei wirbt auf YouTube

Die Onlineprinters GmbH machte vor ein paar Wochen schon Schlagzeilen mit ihren bundesweit ausgestrahlten TV-Werbespots für »diedruckerei.de«. Heute kündigt die Marketingleiterin Julia Voigt eine Werbeschaltung des Onlineshops auf der Startseite von YouTube an. Die Top-Positionierung schaltet das Unternehmen aus Neustadt a. d. Aisch ab 27. Oktober 2010. An diesem Tag kann der Werbespot 24 Stunden lang auf der Startseite von YouTube angeklickt werden.

In der sogenannten Masthead-Anzeige ist der bekannte Werbespot in ein Banner eingebunden und auf der YouTube-Startseite unterhalb der Navigationsleiste prominent platziert. Mit der Positionierung auf der gut besuchten YouTube-Site will die Onlineprinters GmbH ihrer Marke diedruckerei.de stärken. Das Banner verlinkt sowohl zum Druckportal http://www.diedruckerei.de als auch auf die Facebook-Fanpage http://www.facebook.com/diedruckerei.de der Onlinedruckerei.

Eigener YouTube-Kanal informiert über diedruckerei.de
Das Videoportal ist mittlerweile die zweitgrößte Suchmaschine in Deutschland. Mehrere Millionen User gehen täglich über die Startseite von YouTube auf die Suche nach Unterhaltung und Information. “Wer Drucksachen einfach online bestellen will und auf YouTube nach Anbietern sucht, der findet jetzt auch diedruckerei.de”, so Voigt weiter. Seit August hat die Onlinedruckerei einen eigenen Kanal auf YouTube http://www.youtube.com/diedruckerei und informiert filmisch über ihre Aktivitäten.

Die Onlinedruckerei will mit ihren Webvideos noch näher beim Kunden sein: »Wir nehmen Anregungen und Fragen auf und beantworten sie mit Bewegtbildern.« erklärt Thomas Baumann, Social-Media-Beauftragter der Onlineprinters GmbH. »Wir sind eine echte Druckerei mit eigener Produktion und einem erfahrenen Team von Fachleuten. Unsere Videos erzählen etwas über uns und geben unseren Kunden Vertrauen und Nähe. Sie erleben authentisch und lebensnah, wie zum Beispiel eine 8-Farben-Druckmaschine arbeitet oder eine umweltschonende Farbversorgung funktioniert«, so Baumann weiter.

Für die vorbildliche Unternehmensentwicklung wurde die Onlinedruckerei 2010 als »Bayerns Best 50«-Unternehmen ausgezeichnet.

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Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein

Fast 20 Jahre ist es her, seit der Produktions-Digitaldruck seinen Einzug in die Grafische Branche hielt. Seither wurde viel entwickelt, verbessert, übernommen, verkauft, auf Eis gelegt und belächelt. Doch die Probleme in den Technologien wurden ausgesiebt und es wurden bessere Lösungen entwickelt. Die Diskussion um Toner und Inkjet und um On-demand- oder Continuous-Technologie sind längst den Fakten gewichen: Für jeden Bedarf gibt es Lösungen, sei es schnell und günstig oder qualitativ hochwertig aber dafür etwas langsamer. Der digitale Produktionsdruck macht einen großen Schritt nach vorn. Vor dem Hintergrund eines sich verändernden Medienverhaltens gewinnen die neuen Lösungen enorm an Bedeutung, vor allem da die Entwicklung offenbar schneller vorschreitet als erwartet.

„Bis zum Ende dieses Jahres werden wir eine Partnerschaft im Bereich des digitalen Produktionsdrucks haben, bei der die gesamte Kompetenz des Heidelberg Know-Hows für die Zukunft voll zum tragen kommt“, verkündet Bernhard Schreier, CEO der Heidelberger Druckmaschinen AG in einem Interview während der IPEX. Dabei sei das Ziel durchaus, die digitalen Drucklösungen mit dem Heidelberg-Logo und allen von Heidelberg zur Verfügung stehenden Mitteln wie Service, Workflow-Software und Logistik zu vermarkten. Wer hätte das gedacht? Vorbei sind die Zeiten, in denen Heidelberg sich vom Digitaldruckmarkt abwendete und mit dem Verkauf des mit Kodak gemeinsam entwickelten Systems Nexpress komplett dem Wettbewerb überließ. Jetzt da der Digitaldruckmarkt dem klassischen Offsetdruck offenbar immer näher kommt, lässt sich eine Kehrtwende in Punkto Digitaldruck offenbar nicht mehr abwenden. Man spreche mit potenziellen Partnern im Bereich Digitaldruck, prüfe die Technologien und zukünftigen Potenziale und werde in zwei bis drei Monaten in der Lage sein, eine Entscheidung zu treffen, so die Worte Bernhard Schreiers.
Dass dies ein Schritt in die richtige Richtung ist, wird schnell klar, denn der Digitaldruck ist der einzige Markt, in dem für unsere Branche ein Wachstum zu erwarten ist und wer in Zukunft weiterhin führend im Bereich Print sein will, muss sich vor allem mit dem Inkjetdruck auseinandersetzen.
Der US-Professor Frank Romano, Rochester Institute of Technology, sagt der Heidelberger Druckmaschinen AG sogar eine führende Rolle im Digitaldruck voraus. Ob er mehr weiß? Man darf auf die kommenden Monate gespannt sein. So wie Heidelberg steht auch manroland dem Inkjetdruck offen gegenüber. Ganz so offensiv behandeln die Augsburger das Thema allerdings nicht und offiziell gibt es keine Aussagen zu diesem Thema. Man darf aber davon ausgehen, dass auch manroland die Entwicklungen genauestens beobachtet und sich intensiv mit dem Thema Inkjet beschäftigt.

Marktanteile verschieben sich
Dass sich der Grafische Markt neu sortiert, wurde schon durch die Verteilung der Ausstellungsfläche auf der IPEX deutlich. Auch wenn Fläche kein Indikator für Marktanteile und Größe sein mag, so spiegelt die Art der Messe-Präsenz dennoch das Selbstbewusstsein und die Innovationskraft eines Unternehmens wider. Belegten digitale Aussteller noch im Jahre 2006 eine Fläche von rund 26 Prozent und analoge Druckmaschinenhersteller von rund 38 Prozent, so war es in diesem Jahr fast umgekehrt: Rund 26 Prozent der Fläche belegten analoge Anbieter, während 41 Prozent von digitalen Anbieter belegt wurden (Mit 33 bis 36 Prozent belegte der Postpress-Bereich in etwa eine gleich bleibende Fläche).
Einer der größten Aussteller war Hewlett Packard. „Wir wollen mit unseren HP-Lösungen die Nummer Eins im High Volume Druck für den kommerziellen Druck und den Verpackungsdruck sein“, bekräftigt etwa Alon Bar-Shany, Vice President & General Manager von der Hewlett-Packard Indigo Digital Press Division. Laut Bar-Shany sollen bereits im Jahre 2014 rund 22 Prozent des weltweiten Druckvolumens digital gedruckt werden. Der Anteil von Offset werde demnach dann bei 25 Prozent im Bogen und bei 27 Prozent in der Rolle liegen. Mit rund 1.000 Installationen von HP Indigo 5500-Systemen, rund 400 HP Indigo W 7000-Systemen sowie 100 HP Indigo WS 6000-Systemen verfügt das Unternehmen über eine breite Basis innerhalb des kommerziellen Farbdrucks. Nach den Worten des HP Indigo-Chefs verzeichnen die Kunden von HP schon heute ein stetiges Wachstum: Ein Plus von 45 Prozent im Bereich Foto (Fotobücher, Fotos), plus 25 Prozent im Bereich Etiketten, plus 33 Prozent bei Transpromo, plus 27 Prozent bei Publikationen (Magazine, Broschüren), plus 13 Prozent bei Marketing-Material und plus 11 Prozent bei Direktmails.

Die neue Ordnung der Grafischen Branche
Die Einführung des Digitaldrucks für Grafische Anwendungen ist fast 20 Jahre her. Die ersten Produktionssysteme (Agfa Chromapress, bzw. Xeikon und Indigo 1000) wurden im Jahre 1993 vorgestellt und – wenn auch mit Kinderkrankheiten – erfolgreich an den Markt gebracht. Die wichtigen Player im grafischen Digitaldruckgeschäft sind heute HP (vormals Indigo), Xerox, Kodak und Fujifilm. Die Übernahme von Océ durch Canon wird wohl erst in ein bis zwei Jahren konkrete Früchte tragen, allerdings muss man das neue Unternehmen zur nächsten drupa im Jahre 2012 sicher auf dem Zettel haben. Immerhin fließt hier Technologie-Know-how von Canon mit den (tonerbasierten) Produktions-Systemen der ImagePress-Reihe und der eigenen Inkjet-Technologie (Drop-on-demand) sowie die von Océ entwickelten Inkjet-Drucker der JetStream-Modelle zusammen.

Inkjet-Potenzial ist hoch
Eines ist zur Halbzeit der drupa klar geworden: Inkjet rückt mit seinen Möglichkeiten immer dichter an den qualitativen Produktionsdruck und kommt damit auch bestimmten Anwendungen im Offsetdruck sehr nahe. Waren 2008 noch lediglich vollmundige Ankündigungen der Hersteller und einige Technologie-Demonstrationen zu sehen, so zeigten sich nur zwei Jahre danach auf der IPEX in Birmingham bereits die ersten konkreten Resultate. Die Besucher sahen zum Teil voll verfügbare Produktionssysteme, die in Punkto Geschwindigkeit, Format und Qualität verschiedenste Anforderungen im Akzidenzdruck erfüllen. Besonders interessant sind die Rollensysteme Kodak Prosper Press 1000 und 5000, die T200 und T300 von HP und die Océ JetStream 1000, sowie Lösungen für Bogendruck wie die Truepress Jet SX von Screen und die Jet Press 720 von Fujifilm. Aber auch andere Hersteller spielen bei der Entwicklung des Inkjet-Druckmarktes eine Rolle, etwa das französische Unternehmen Impika, das mit der iPress und iPrint neue Inkjet-Drucksysteme präsentierte. Alle Inkjet-Druckmaschinen haben eines gemeinsam: Mit Investitionsvolumen zwischen einer und drei Millionen Euro bilden diese neuen Produktions-Lösungen eine neue obere Preis- und Leistungsklasse im Digitaldruck – und die wird dem klassischen Offsetdruck an manchen Stellen Marktanteile abnehmen, allerdings nur, wenn sich die Kosten für Papier und Druck so entwickeln, dass es sich für einen Anwender lohnt umzusteigen. Denn die modernen Offsetdruckmaschinen etwa die Anicolor 52 von Heidelberg, die DirectDrive-Systeme von manroland oder die Anilox-Lösungen von KBA sowie etwa die digital bebilderbare Presstek 52 DI sind offsetbasierte Maschinen, die sehr schnell ihre Jobs wechseln und somit für kleine Auflagen und viele Jobwechsel (wie im Digitaldruckmarkt üblich) absolut geeignet sind.

Kostenfaktor bleibt hoch
Auch wenn die Inkjet-Lösungen den Wettbewerb um Marktanteile erhöhen, so bestimmen immer noch die Anwendungen und Anforderungen der Kunden die Art und Weise der Produktion. Da gelten beim Inkjetdruck besondere Regeln, denn die Systeme produzieren entweder qualitativ sehr hochwertig und sind dafür langsamer oder sie sind sehr schnell und produzieren in geringeren Qualitäten, ausreichend etwa für den Transpromobereich, für Formulare oder Rechnungswesen. Im Offsetdruck wird immer mit gleichen Voraussetzungen (und Kosten – abgesehen von Flächendeckung der Farbe) produziert. Ein wichtiger Faktor für den Durchbruch der Inkjet-Technologie sind die Kosten pro Druck. Die magische Grenze liegt bei einem (Euro) Cent pro A4-Druck. Mit dem Kodak Prosper System etwa, können Anwender nach Angaben des Herstellers im Schwarzweiß-Druck mit Kosten von 1,2 Cent pro A4-Druck (Prosper 1000) und in Farbe mit sechs Cent pro A4-Druck (Prosper 5000) kalkulieren. Mit rund 3.600 A4-Drucken pro Stunde ist die Prosper eines der schnellsten Inkjet-Rollen-Systeme am Markt. Die Druckbreite beträgt rund 624 Millimeter. Das System bedruckt die Papierbahnen beidseitig und ist für ein Druckvolumen von rund 20 Millionen Drucke pro Monat ausgelegt. Auch die Produktionssysteme Prosper 1000 und 5000 sollen bereits an erste Kunden gehen: Je eine Prosper 1000 geht an OPM Arvato Print in den USA und an Sagim in Frankreich und die erste Prosper 5000 geht nach Italien zu Rotamail.
Das Kodak Prosper S10-System ist übrigens eine Stand-alone Druckeinheit von 10,56 Zentimetern Breite, die an Rollenoffsetmaschinen montiert werden kann und so vollfarbige und qualitativ hochwertige personalisierte Eindrucke ermöglicht. In Deutschland befindet sich eine derartige Lösung an einer Offsetrotation bei Meiller Direct für die Herstellung von Direktmailings.

B2-Format und Bogendruck – der Heilige Gral?
Eines der meistgenannten Anorderungen an den Produktions-Digitaldruck war immer das Format. Auch wenn Hersteller größere Formate anbieten konnten, so reichten die bisherigen Lösungen von HP, Xeikon oder Xerox nicht wirklich aus, um bestimmte Standard-Produkte im Bereich Broschüren und Werbematerial anzufertigen. Für viele Offsetdrucker ist diese Formatfrage ein wichtiges Argument gewesen, weiterhin im klassischen Druck zu produzieren. Nun gibt es auch im Inkjetdruck echte B2-Format-Drucksysteme und dazu noch im bedruckstoffflexiblen Bogendruck. Dainippon Screen und Fujifilm liefern hier Systeme, die im Bogendruck und mit Inkjet-Technologie arbeiten. Die Fujifilm JetPress 720 war auf der IPEX das Publikumsmagnet schlechthin. Dieses System basiert auf einen soliden Ryobi-Unterbau für die Papierzuführung und ist in der Lage Bogen mit 72 Zentimeter Breite durch das Drucksystem zu leiten. Die TruePress JetSX transportiert eine maximale Papierbreite von 53 Zentimetern und eine Länge von 74 Zentimetern durch das Drucksystem. Fujifilm will seine Lösung Mitte kommenden Jahres an den Markt bringen – laut Unternehmen gibt es bereits eine lange Liste mit konkreten Kaufinteressenten.

Xerox zieht nach
Neben vielen neuen Inkjet-Lösungen gab es auch bei den Elektrofotografischen Maschine Neuheiten, die sowohl bei HP Indigo mit den Systemen HP Indigo 7500 und HP Indigo 7200 als auch bei Xerox mit der Xerox 800 und 1000 zu sehen waren. Die tonerbasierten Xerox-Lösungen bestechen durch eine hervorragende Qualität die das Niveau einer Nexpress (Kodak) erreicht. Auch die Neuvorstellungen Hp Indigo 7500 (Bogen) und HP Indigo W 7200 (Rolle) überzeugten durch ihre hohe Qualität, Geschwindigkeit und vor allem – durch ihre Verfügbarkeit. Das W7200-System produziert bis zu 14.500 A4 Drucke pro Stunde. HP ereichte sein Messe-Verkaufsziel schon am 5. Messetag in Birmingham.
Die Thermal-Inkjet-Lösung HP T300 bedruckt Papierbahnen von 762 Millimeter Breite in Geschwindigkeiten bis zu 122 Meter pro Minute, das T200-System bis zu 61 Meter pro Minute. Die Lösungen sind für Volumen bis zu 25 Millionen Drucke pro Monat ausgelegt. Auch wenn Hersteller wie HP, Kodak, Fujifilm oder Screen den Markt scheinbar besetzt haben, wollen sich andere Hersteller ebenso ein Stück vom Kuchen sichern. So zeigte feierte Xerox auf der IPEX mit einer Technologie-Studie sein Debüt im Inkjetdruck. Das Rollensystem ohne Namen basiert auf einer solid Inkjet-Technologie, die Xerox selbst entwickelt hat. Dabei wird eine feste Tinte eingesetzt, die unmittelbar nach dem Tropfvorgang auf dem Bedruckstoll wieder fest wird und somit nicht ins Papier eindringt. Daher kann das neue Produktionssystem laut Xerox nahezu alle normalen Offset-Papiere bedrucken, sogar Zeitungspapier-Muster wurden den ausgewählten Kunden und Journalisten gezeigt. In einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Meter pro Minute soll das System eines Tages produzieren. Die Druckbreite beträgt 52 Zentimeter und produziert wird optional im Duplexdruck (beidseitig) oder im Simplexdruck (einseitig). Laut Xerox will man Ende 2011 mit einer marktreifen Lösung antreten.

Wie die Pilze aus dem Boden
Wer die IPEX besucht hat, kann bestätigen, dass der Inkjetdruck allgegenwärtig ist. Viele Hersteller haben heute eine Inkjet-Lösung im Programm. So waren unter anderem auch verschiedene Lösungen für den Verpackungsdruck und Etiketten zu sehen. Für den industriellen Verpackungsdruck präsentierte etwa Agfa das neue System Agfa Dotrix Modular LM. Die Sechs-Farben-Maschine druckt eine Materialbreite von 63 Zentimetern im Single-Pass-Verfahren mit einer Inkjet-UV-Lösung in einer Geschwindigkeit von 32 Meter pro Minute – das ist nicht für hohe Auflagen gedacht, sondern für qualitativ hochwertige Kleinauflagen bei Etiketten und Verpackungen. Besonders für sensible Lebensmittelverpackungen geeignet ist die dafür eingesetzte Agorix LM-Tinte. Das System druckt auf feste und flexible Materialien.
Ein anderes spannendes neues Inkjet-System konnte man bei Epson sehen: Die Surepress L-4033-A wurde in Birmingham – immerhin drei Jahre nach der Erstvorstellung – für den Markt freigegeben. Das Inkjet-Rollen-System basiert auf Epsons Piezo-Technologie und ist für den hochwertigen Etikettendruck gedacht. Mit fünf Metern pro Minute und einer Papierbreite von 330 Millimeter produziert das Sechs-Farben-System qualitativ hochwertige Vorabauflagen und erstellt unter Einsatz einer GMG-Software farbverbindliche Proofs auf Original-Bedruckstoffen.
Ein bisher unbekanntes Unternehmen aus Frankreich will sich ebenso auf dem Inkjet-Markt einen Namen machen: Impika (www.impika.com) wurde erst 2003 von rund 20 Inkjet-Experten gegründet und entwickelt seither. Nach eigenen Angaben produziert Impika die VL-Modelle für Kodak und kommt nun mit den Maschinen iPress und iPrint unter eigenem Label auf den Markt. Dabei gibt es die einfache Teilung: iPress ist ein Rollensystem für hohe Druckgeschwindigkeiten von 76 bis 254 Meter pro Minute, das es in vier Variationen gibt (iPress 75, iPress 125, iPress 150 und iPress 250). Die iPrint 2400 ist ein B2-Bogen-System, das mit einer Geschwindigkeit von 75 Meter pro Minute und Piezo Drop on Demand-Technologie in einer hohen Druckqualität druckt. Die Qualität der Prints kann sich durchaus mit dem Wettbewerb messen.

Flexibel bis zum kompletten Produkt
Neben der optimalen Server- und Software-Ausstattung für die Datenverarbeitung ist beim Einsatz von digitaler Drucktechnologie die Weiterverarbeitung ein elementarer Bestandteil. Die Vorteile einer schnellen und eventuell personalisierten Printproduktion kann in der Weiterverarbeitung schnell zunichte gemacht werden. Die Druckerhersteller arbeiten daher mit allen einschlägigen Anbietern von Weiterverarbeitungssystemen bis zum 2B-Format und für kleine Auflagen partnerschaftlich zusammen. Anwender können je nach Anforderungen verschiedene Finishing-Lösungen für den Online- und Offline-Betrieb wählen.

Fazit: Eine Frage der Zeit
Nur zwei Jahre nach den Ankündigungen auf der drupa sahen die Besucher der IPEX Maschinen, die zumindest was die Qualität und Performance angeht, verblüfften. Schon so lange ist Inkjet ein Thema und immer wieder verschieben sich die Grenzen des technisch Machbaren. Sollte das Entwicklungstempo der Druckköpfe und Maschinen voranschreiten, so kann die Branche sich in weiteren zwei Jahren auf Druck-Lösungen einstellen, die eine Wende in der Produktion einläuten. Faktoren, die bis dahin für eine ernstzunehmenden Durchbruch sorgen können, sind tragbare Investitions- und Fixkosten sowie mit dem Offsetdruck vergleichbare Kosten pro Druck, die Bandbreite an Bedruckstoffen, die Weiterverarbeitungs-Optionen, die Möglichkeiten für den Einsatz von Sonderfarben und Veredelungs-Optionen sowie die Umweltverträglichkeit. Dabei geht es nicht um die Frage, welche Lösung eine andere Produktionslösung auslöscht. Es geht um die Frage, mit welchem Produktions-System kann ein Druckunternehmer die Jobs für seine Kunden möglichst effizient, kostengünstig und zufriedenstellend produzieren und zudem innovative Ideen entwickeln, mit denen er sich vom Wettbewerb differenzieren kann. Das kann in dem einen Fall ein neues Inkjet-System sein und im anderen Fall eben eine moderne Offsetmaschine.

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»Subventionen schaden der Branche«

Die Debatte um Subventionen für Druck und Medien Unternehmen und über Lobbyisten, die in Berlin und Brüssel staatliche Eingriffe in die Druckwirtschaft fordern, spaltet die Branche in zwei Lager. Während die Gewerkschaften am liebsten Geld aus Staatstöpfen zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze in der Druckindustrie einsetzen wollen, plädieren Unternehmervertreter dafür, dass sich der Staat langfristig komplett aus den wirtschaftlichen Belangen der Druckindustrie heraus halten soll. „Der Markt soll´s richten“ – lautet die Devise.

„Wir sind keine Branche, die auf Basis einer Subventionspolitik künstliche Strukturen aufbauen oder aufrecht erhalten muss,“ bringt es Johannes Helmberger, Geschäftsführer von Niedermayr Graphische Kunstanstalt GmbH in Regensburg auf den Punkt. Der Unternehmer ist Mitglied des Verbandes der Bayrischen Wirtschaft und wurde erst kürzlich mit dem Bayrischen Gründerpreis in der Kategorie „Nachfolge“ ausgezeichnet. Mit neuen Geschäftsfeldern wie Digitalfotografie, neue Medien, Agenturdienstleistungen und IT-Service begegnet das Traditionsunternehmen dem Wandel mit großem Erfolg. „Es gibt sie, die Unternehmen, die subventionsfrei investieren, die Ideen haben und aus eigener Kraft Innovationen entwickeln, umsetzen und Erfolg haben, das ist doch normal,“ findet Johannes Helmberger. Der Unternehmer, der nach eigenen Angaben der Versuchung, seinen Standort Regensburg zugunsten einer Ansiedlung in einem „Hochfördergebiet“ aufzugeben, widerstand, hat eine eindeutige Meinung: „Subventionen schaden der Branche!“

Marktregulierung durch die Politik gefordert

Diskutiert wird über Subventionen schon lange. Den Stein so richtig ins rollen brachte jetzt ein so genanntes „Hearing“ vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, EWSA, das die Auswirkungen des industriellen, gesellschaftlichen und technologischen Wandels auf die Beschäftigten der Druckindustrie analysieren soll. Vertreter der Tief- und Rollenoffsetdrucker, der Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Wissenschaft sprachen im März dieses Jahres in Berlin vor dem Unterausschuss der EWSA, der CCMI (Consultative Commission on Industrial Change), die zum Ziel hat „eine europäische Politik zur Sanierung der Großunternehmen des Druckgewerbes in Europa“ zu prüfen.
Vorausgegangen war eine von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in Auftrag gegebene Studie bei „Intergraf“ über „Die Zukunft der Druckindustrie“.
Die Untersuchung habe das Ziel gehabt, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Andreas Fröhlich, Verdi-Bereichsleiter für die Druckindustrie, Papier und Verlage, erklärt den Vorstoß so: „Vor dem Hintergrund der starken Preisverfalls und des massiven Abbaus von Arbeitsplätzen, wünschen wir uns eine andere Förderlogik. Daher haben wir gemeinsam mit dem ZFA, (Zentralfachausschuss Berufsbildung und Medien) den Vorschlag unterbreitet, Strukturfonds für die Qualifikation von Mitarbeitern aufzulegen. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiter, insbesondere die der gefährdeten Betriebe, etwa der Tiefdruckstandorte, frühzeitig für neue Berufe zu qualifizieren. Wir denken da an eine Förderung für die Qualifikation in Richtung neuer Medien oder dem IT-Bereich.“
Der Bundesverband Druck und Medien sieht allerdings eine Gefahr in der Forderung von Gewerkschaftsvertretern, dass die EU-Kommission an verbindlichen Vorgaben für Kapazitätsreduzierungen in der Druckbranche beteiligt ist, wie sie auch mehrfach bei den Workshops zur Studie „Sozialverträgliche Restrukturierung der europäischen Druckindustrie” geäußert wurde. „Eingriffe seitens der EU in die Unternehmensführung der Betriebe sind nicht gewünscht. Das muss der Markt richten. Anders sieht es bei der Förderung und Qualifizierung von Arbeitskräften für neue zukunftsweisende Tätigkeiten aus. Dies ist auch eine Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik“, stellt Dipl.-Volkswirtin Dr. Nora Lauterbach, Abt. Wirtschaftspolitik und Volkswirtschaft beim Bundesverband Druck und Medien e.V. in Wiesbaden, klar.

Subventionen sind auf Dauer nicht zu vertreten

Nora Lauterbach ist davon überzeugt, dass weder die EU noch der Bund Kapazitätsreduzierungen in der Druckbranche effizient steuern könnten, beziehungsweise, dass das ihre Aufgabe wäre. Eine regionale Entscheidung zur Rettung von Arbeitsplätzen wie im Fall von Johler Druck in Neumünster allerdings, unterstütze sie. „Wo immer es möglich ist, müssen Arbeitsplätze gerettet werden, vor allem wenn eine Druckerei zu den größten und wichtigsten Arbeitgebern in einer strukturschwachen Region gehört. Früher war das beispielsweise die Randzonenförderung. Für einzelne Fälle ist das für mich absolut nachvollziehbar.“ Allerdings sei sie grundsätzlich davon überzeugt, dass es eine vom Staat unbeeinflusste und funktionierende Marktwirtschaft geben muss: „Subventionen müssen langfristig gekürzt werden, am besten jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz bis auf schließlich Null. Vor dem Hintergrund der enormen Staatsverschuldung ist das auf Dauer nicht zu vertreten“, so Nora Lauterbach.

Verhandlungen auf Europäischer Ebene

Als Vertreter des Tiefdruckverbundes European Rotogravure Association, ERA, wandte sich John Caris, CEO des holländischen Tiefdruck- und Rollenoffsetkonzerns Roto Smeets Group an das Gremium mit dem Hinweis auf die seit Jahren in der Druckwirtschaft vorherrschenden Überkapazitäten und die verbreitete Preisdumping-Politik. Kapazitäten müssten seiner Meinung nach kontrolliert abgebaut und Personal umgeschult werden. „Eine Umstrukturierung ist dringend erforderlich“, so Caris, „doch die Unternehmen verfügen nicht über die Mittel, um Kapazitäten und Arbeitsplätze sozial verträglich abzubauen.“ Ohne die Unterstützung der EU sei dies nicht zu bewältigen, meint Caris. Im vergangenen Jahr hatte John Caris, gemeinsam mit Gewerkschaften in Holland Gelder aus dem europäischen Globalisierungsfont EGF beantragt, um einen Arbeitsplatzabbau zu fördern. Sollte Roto Smeets mehr als 500 Stellen abbauen, würde das EU-Geld den betroffenen Arbeitnehmern in Holland helfen einen neuen Job zu finden, so war die Idee. Dieses Modell stieß damals auch beim deutschen Arbeitgeberverband auf offene Ohren und man versuchte gemeinsam mit den Gewerkschaften für Deutschland eine ähnliche Lösung umzusetzen, vor allem wegen der anhaltenden kritischen Geschäftslage bei zwei großen deutschen Druckunternehmen. „Leider kam die Idee nicht zum Einsatz, da Grundvoraussetzung für dieses Programm des EGF (Europäischer Fonds für die Anpassung an die Globalisierung) ist, dass mehr als 500 Arbeitsplätze betroffen sein müssen“, bedauert Nora Lauterbach.
Auf John Caris´ Vorstoß, die EU solle sicherstellen, dass Kapazitäten geordnet vom Markt genommen werden, reagierte Unternehmensberater und EWA-Initiator Michael Dömer verständnislos: „Ich kann verstehen, dass John Caris für die schwierige Situation seines Konzerns durch die Unterstützung der EU Erleichterungen bei Sozialplänen begrüßt und ich möchte auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Kritik sich nicht an die Adresse derjenigen wendet, die legal ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Doch sowohl finanzielle Begünstigungen als auch Investitionssteuerungen durch den Staat zerstören den Markt.“
Die EWA distanzierte sich bereits unmittelbar nach dem Hearing von den Forderungen Caris´. So hieß es in einem Schreiben: „Staatliche Steuerung und Subventionierung können nicht die Lösung im Strukturwandel sein. Auch wenn vereinzelt Großbetriebe sich für Subventionierung der EU stark machen, um ihre Probleme zu lösen, so bliebe dies ein Verstoß gegen den Markt.“
John Caris möchte allerdings kein Missverständis zum Ziel der Prüfung vor der Europäischen Kommission aufkommen lassen. „Natürlich ist es ein kompliziertes und schwieriges Thema und öffentliche Gelder dürfen nicht missbraucht werden, um Investitionen in neue Maschinen oder den Neubau von neuen Produktionsstätten zu finanzieren. Die von uns geforderten Subventionen sollen die Umstrukturierung in unserer Branche fördern, genau wie es beispielsweise in der Automobil-, Textil- oder Bauindustrie bereits geschehen ist – nicht zum Aufbau eines unehrlichen Wettbewerbs und schon gar nicht um weitere Kapazitäten in den Markt zu stellen“, stellt der CEO der Roto Smeets Group klar.

Die Versuchung sich auf den Staat zu stützen ist groß

Überkapazitäten, Preisdruck und hoher Wettbewerb sind in der Druckbranche nicht neu. Neu ist allerdings die Tatsache, dass offenbar immer öfter die Hilfe vom Staat und der Weg durch die Insolvenz zum Ausbügeln der eigenen Misswirtschaft missbraucht werden. Spätestens seit Begriffe wie „Konjunkturprogramm“ und „Rettungspaket“ unseren Wortschatz bereichern, und auch Hersteller wie beispielsweise die Heidelberger Druckmaschinen AG staatliche Unterstützung in hohem Maße in Anspruch genommen haben, scheinen sich auch Druck und Medien-Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, immer öfter auf die Unterstützung von außen zu verlassen. Werden am Ende diejenigen belohnt, die den wirtschaftlichen Misserfolg durch Fehler im eigenen Management verursacht haben? Christoph Näpelt von der Beratungsagentur Pier 18 aus Hamburg hat dazu eine klare Meinung: „Grundsätzlich gilt: Managementfehler werden mit wirtschaftlichen Misserfolgen sichtbar. Wirtschaftliche Misserfolge sind das evolutorische Korrektiv in der freien Wirtschaft. Wer nach dem Staat ruft, lenkt vom eigenen Versagen ab und die Produktionsfaktoren in eine falsche Richtung. Wenn es am freien Markt für ausgewählte Produkte und Leistungen keine Nachfrage gibt, dann sollten diese auch nicht künstlich bereitgestellt werden. Dass Unternehmen aus dem Markt scheiden gehört zur wirtschaftlichen Entwicklung wie die Neugründung von Unternehmen. Kunden, Mitarbeiter und Produktionsmittel finden im wirtschaftlichen Organisationsprozess über den Preis zueinander – nicht über den Staat.“

Steuergelder fließen in den Osten

Subventionen mit denen einzelne Unternehmen in der Druckindustrie unterstützt werden, stören nach Ansicht des Wettbewerbs das natürliche Gleichgewicht der Marktwirtschaft. Denn während die einen sich harten Rating-Verfahren ihrer Banken stellen müssen, um überhaupt Finanzierungszusagen für Investitionen zu bekommen, fließen andernorts die öffentlichen Gelder in Strömen. Der Großteil floss bisher in den Osten und hier vor allem in strukturschwache Gebiete wie beispielsweise Rostock, Magdeburg und Polen. Großer Unmut herrscht beispielsweise gegenüber dem 2006 in Rostock auf der grünen Wiese entstandenen Unternehmen Adam Nord, für dessen Investitionen zusätzlich zu den Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern auch EU-Gelder geflossen sind. Die schwäbische Adam GmbH mit Sitz in Bruchsal erwirtschaftete zu dem Zeitpunkt einen Jahresumsatz von 31 Millionen Euro. Die Investitionen in Mecklenburg Vorpommern sollten sich im Laufe der Jahre auf etwa 85 Millionen Euro belaufen. Adam hat seinen Standort in Bruchsal, unverändert beibehalten und produziert heute an zwei Standorten. Auch Sattler Media Press muss sich Kritik gefallen lassen für die staatliche Förderung seines Neubaus im Umland von Magdeburg, wo er heute zusätzlich zu seinem Standort in Homburg produziert.
Keine zwei Standorte, sondern eine »Umsiedlung« des Tiefdruckgeschäftes gibt es bei Bauer Druck in Köln. Zunächst baute man in Polen eine neue Betriebsstätte auf. Hierfür hatte die Europäische Kommission eine staatliche Beihilfe in Höhe von 47 Millionen Euro genehmigt. Die Mittel flossen in Bauers Rotationstiefdruckanlage in Nowogrodziec im Südwesten Polens, wo das neue Werk für den Druck von Zeitschriften, Verkaufskatalogen und Beilagen entstanden war. Insgesamt belaufen sich die Investitionen dort laut EU-Kommission auf rund 160 Millionen Euro. Polen hatte sich zuvor bereit erklärt, das Vorhaben zu fördern und im Rahmen der Regionalentwicklung massive Körperschaftsteuerbefreiungen zu gewähren. Im September letzten Jahres hatte die Bauer Media Group dann ihr Vorhaben bekannt gegeben, ihre Druckerei in Köln zu schließen. Nach langen Verhandlungen haben sich die Unternehmensleitung und der Betriebsrat Medienberichten zufolge auf einen Sozialplan geeinigt. Die Produktion am Standort Köln wird demnach zum Jahresende eingestellt, von der Schließung sind 353 Mitarbeiter betroffen.

„Kreative Finanzierungsmodelle“ der Lieferindustrie beeinflussen den Markt
Nicht nur staatliche Förderungen beeinflussen die Marktsituation. Auch die in den vergangenen Jahren weit verbreitete Praxis bei den Finanzierungsmodellen der Lieferanten für die Investition in neue Produktionssysteme hat dazu geführt, dass die gesunde Marktwirtschaft beeinflusst wurde.
„Kreative Finanzierungen schaffen Überkapazitäten und beschleunigen den Preisverfall in der Druckindustrie“, sagte Ingo Koch, Vorstand für Controlling, Informationstechnologie und Recht von manroland schon im Jahr 2004.
Die Hersteller wussten, dass ein Eingreifen in die „natürliche Marktentwicklung“ ein gefährliches Ungleichgewicht entstehen lassen würde. Gesunde Unternehmen würden unter Druck geraten und Leistungsträger und damit gute Kunden würde Schaden zugefügt. Doch aufgrund der extremen Zurückhaltung von Banken forderten offenbar immer mehr Betriebe die breite Unterstützung von den Herstellern durch so genannte „kreative Finanzierungen“ und die sind auf diese Forderung eingegangen ohne wirklich die Folgen abzuschätzen.
Vor dem Hintergrund des vorherrschenden Verdrängungswettbewerbs können Hersteller den Markt durch Entscheidungen zugunsten einzelner Unternehmen und damit auch die freie Marktwirtschaft beeinflussen.

Gestärkt durch die Insolvenz?
Reine Ländersache ist es, wenn es um die Rettung von individuellen Arbeitsplätzen in so genannten »strukturschwachen Gegenden« geht. Im Falle der Übernahme von Johler Druck am Standort Neumünster aus der Insolvenz, unterstützte beispielsweise das Land Schleswig-Holstein den neuen Besitzer Hermann Enk bei der Weiterführung des Unternehmens mit Fördergeldern. Für diese Zusagen hagelte es Proteste vom Wettbewerb, der dies als „Eingriff in den Wettbewerb“ bezeichnete. Bei Johler konnte man aufgrund der Insolvenz die bis dahin erst zu 50 Prozent aufgebaute neue 64-Seiten KBA 818 nicht mehr in Betrieb nehmen und eine Konsolidierung wäre am Markt höchst willkommen gewesen. Im Sommer 2009 – nach erfolgreicher Aufbauarbeit – ging die Maschine mit neuer Falz- und Versandraumtechnik unter der Neufirmierung Johler Norddruck GmbH an den Start.
Der damalige Schleswig-Holsteinische Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, Werner Marnette, begründet seine Entscheidung so: „Die Firma Johler befindet sich an einem der strukturschwächsten Standorte unseres Bundeslandes und für die Landesregierung hat die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen höchste Priorität. In diesen Wirtschaftsräumen, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt sind, muss es möglich sein, Unternehmen mit wirtschaftlich tragfähigen Konzepten von Landesseite zu unterstützen. Die Wirtschaftsförderungsinstrumente des Landes sind dabei insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen ausgerichtet. Im Falle der Johler Norddruck GmbH haben sich, wie in vielen anderen Finanzierungsfällen auch, neben einer Reihe nicht öffentlicher Finanzierungsinstitute im Zuge der Übernahmefinanzierung auch Förderbanken in Form von Darlehen, Beteiligungen und Bürgschaften engagiert und damit rund 120 Arbeitsplätze gerettet.“
Die Kritik an dem Johler-Deal hat bereits eine lange Geschichte, denn Wettbewerber behaupten, das Unternehmen sei bereits krank gewesen, als es von der damaligen Arquana International Print & Media AG übernommen worden war.

Förderung nur für die „Großen“?
„Unternehmen, die es marktwirtschaftlich nicht geschafft haben, werden durch Subventionen künstlich am Leben gehalten“, empört sich auch Gerd Lutzeier. Der Geschäftsführer bei Konradin Druck in Leinfelden-Echterding hält das deutsche Insolvenzrecht ebenso für einen weiteren Faktor der Wettbewerbsverzerrung: „Eigentlich müssten Unternehmen, die Insolvenz anmelden, vom Markt verschwinden, jedoch führen die meisten ihre Geschäfte fort, nachdem sie das Insolvenzverfahren durchlaufen haben – oft ohne Verbindlichkeiten und mit frischem Geld. Das ist reiner Schwachsinn!“
Dass dies aber auch vom Standpunkt abhängt, wird deutlich am Fall von Neef + Stumme in Wittingen. Der Betrieb musste Anfang 2009 Insolvenz anmelden. Ein Finanzengpass aufgrund der Kündigung einer Warenwirtschaftsversicherung für die Vorfinanzierung der Papierlieferungen war der offizielle Grund für die Schieflage. Wettbewerber am Markt behaupten allerdings das Unternehmen habe seit Jahren zu extremen Dumpingpreisen produziert, sei so heruntergewirtschaftet worden, und müsse nun endlich vom Markt verschwinden. Das Gegenteil passierte.
Gemeinsam mit Geschäftsführerin Dorothy Stumme kämpfte der damalige Geschäftsführer Andreas Bauer für das Fortführen der Unternehmung und die Rettung von 240 Arbeitsplätzen. Nach „unzähligen Gesprächen mit potentiellen Investoren, Banken, der KfW, Förderinstituten, und dem Land Niedersachsen, gelang es Bauer das insolvente Unternehmen in eine so genannte „Nachfolgegesellschaft“ zu retten. Diese firmiert seit Juni 2009 als „Neef + Stumme Premium Printing GmbH & Co. KG“, an die neben den bisherigen Gesellschaftern Andreas Bauer und Dorothy Stumme auch die Finanzholding Print Media Group GmbH & Co. KG aus Heidelberg, als Gesellschafter mit 24,9 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen befindet sich in einem „D-Fördergebiet“, in dem mittelständische Unternehmen im Landkreis unter bestimmten Voraussetzungen EU-Fördermittel für Investitionen erhalten, wenn mit diesen Investitionen Arbeitsplätze geschaffen oder langfristig gesichert werden.

Die Kluft zwischen Wunsch, Realität und Eigennutz
Michael Apenberg, Unternehmensberater aus Hamburg, hat die Unternehmen Johler Druck und Neef + Stumme aus dem Weg der Insolvenz strategisch beraten. „Man kann den Unternehmen nicht vorwerfen, dass sie Gelder, die ihnen zustehen, beantragen, und für den Erhalt des Unternehmens nutzen“, meint Michael Apenberg, der allerdings ebenso wie andere Unternehmervertreter der Meinung ist, dass „der Staat sich aus wirtschaftlichen Belangen der Druckbranche raushalten soll“. Mit Ausnahme von Fördergeldern, etwa für den Emissionsschutz oder das Kurzarbeitergeld sei er „absolut dafür, staatliche Subventionen weitestgehend einzustampfen“. Der Hamburger Branchenspezialist erklärt, dass ohnehin nur die großen Betriebe in großem Maße Fördergelder abschöpfen würden, da „die kleineren Betriebe meist gar nicht wissen, wie sie an diese Töpfe rankommen.“
Doch hier trifft die Ironie der Realität das eigene Hemd, denn die Berater verdienen gutes Geld mit gezielten Beratungsleistungen für das Abgreifen von Fördergeldern und damit, die endlos langen Formulare und Beantragungsverfahren für ihre Klienten auszufüllen und durchzuführen.
Doch nicht immer sind teure Berater nötig, denn manchmal sei das Beschaffen von öffentlichen Geldern im regionalen Bereich oft einfach nur eine Frage der guten Vernetzung, weiß ein Brancheninsider zu berichten. Ein Besuch beim Kommunalpolitiker, dem Bürgermeister oder Landesvertreter habe da schon so manchen Geldhahn geöffnet, und – „am Ende kriegen sie alle etwas.“
So ist es offenbar mit dem Staatsgeld – solange es fließt und legal für jeden zugänglich ist, bleibt das Thema Subventionierung eine Gradwanderung zwischen ungerechter Wettbewerbsverzerrung und gesunder Arbeitspolitik.
Was die Auflegung des Strukturfonds angeht, so wird die europäische Kommission am 23. November dieses Jahres in Brüssel die Ergebnisse ihrer Beratungen bekanntgeben.

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iPad für die Masse – Print unverzichtbar

Zeitungen müssen ihre Marke neu erfinden für einen Markt, den sie (noch) nicht kennen.

Vom digitalen iPad bis hin zu neuen Produktionsmöglichkeiten im Druck – die Kluft zwischen den beiden wichtigsten Medienwelten Online und Print ist groß, das wird auf der IFRA Expo besonders deutlich. Seit Montag trifft sich die internationale Zeitungsbranche zur jährlich stattfindenden Zeitungsmesse, die nach 25 Jahren wieder einmal in Hamburg stattfindet. Rund 340 Aussteller aus 33 Ländern zeigen Lösungen rund um die Zeitungsproduktion. Laut Messeveranstalter werden rund 9.000 Besucher erwartet. Vertreter aus der Verlagsherstellung, von Druckereien und aus Redaktionen informieren sich über Trends aus dem Bereich der Printproduktion, des Online-Publishings und der redaktionellen Fertigung von Zeitungen.

In einem Punkt sind sich alle einig: Die Auflagen der gedruckten Zeitung geht zurück. Die wichtigsten vom Printsektor abhängigen Hersteller , etwa von Druckmaschinen (manroland und KBA), Plattenbelichtern (Kodak, Fuji, Krause, Agfa) oder Versandraumtechnik (Ferag, Müller Martini, Schur), haben alle die gleiche Botschaft. „Ja, unser Markt schrumpft und ja, wir müssen eine Strategie entwickeln, um die wegfallenden Einkünfte in anderen Bereichen zu generieren.“

Die Anzahl an Druckmaschinen-Installationen, erreichen nicht mehr das Niveau der Vorjahre. Vorstandsvorsitzender Gerd Finkbeiner glaubt an ein Niveau von 60 bis 70 Prozent. „Wenn vier neue Druckmaschinen sieben alte ersetzen und die gleiche, wenn nicht höhere Produktivität aufweisen, dann ist klar, dass die Anzahl der Maschinen im Markt sinken wird“, erklärte der manroland-Chef.

Klaus Bolza-Schünemann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG brachte die Situation zumindest für sein Unternehmen auf den Punkt: „Früher haben wir 20% unseres Gewinnes aus anderen Bereichen gewonnen und 80% aus Zeitungen. Heute ist das Verhältnis umgekehrt. Wir generieren 20 % unseres Gewinnes aus dem Bereich Zeitung und 80 % aus anderen Bereichen.“

Die Zeitungswelt verändert ihr Gesicht. Mit neuen Kommunikationsmechanismen wie Facebook, Twitter und Co. entstehen neue Informationsquellen für Leser. Neue Geräte erlauben es den Nutzern die Informationen an jeden Ort der Welt abzurufen. Zeitgleich mit all den technischen Fortschritten wächst eine „Google“-Generation nach, die neue Geschäftsmodelle entwickeln. Digitaldruck-Modelle und auch E-Paper auf iPads gehören dazu.

Die Plattform www.pressdisplay.com etwa, bietet heute schon über 1.700 Zeitungstitel für die digitale Ausgabe an. Gemessen an den 12.297 Tageszeitungen, die überhaupt weltweit existieren, ist das schon ein sehr hoher Anteil und er wird steigen.

Jedoch wird das große Geld nach wie vor mit Print-Anzeigen und auch mit dem Verkauf von gedruckten Ausgaben sowie mit dem Abo-Geschäft gemacht. Doch die Online-Werbung wächst. Bewegbilder in Anzeigen, garantierte Kontrolle der Klickzahlen und gute Nachvollziehbarkeit der tatsächlich erreichten Zielgruppe, sind Argumente genug, hier zu investieren.

Die Drucktechnk ermöglicht heute hochpräzise und höchst qualitative Printprodukte und die Hersteller von Druckmaschinen und Druckunternehmen holen alles raus, was mit dem Medium Print geht und erarbeiten sich so im Wettbewerb mit den Onlinemedien viele Alleinstellungsmerkmale, die Print neben all den neuen digitalen Medien nach wie vor unverzichtbar machen.

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Inkjet hält Einzug in die Buchproduktion

Die Entwicklung der digitalen Inkjet-Technologie entwickelt sich rasant. Vor dem Hintergrund der starken Umbrüche, die in der Branche stattfinden, ist das besonders interessant. Der hohe Preisdruck treibt Druckereien dazu, sich diesen neuen Technologien zu öffnen. Dabei kaufen sie nicht einfach Kapazitäten, sondern reflektieren und verändern ihr Geschäftsmodell. Vor allem im Bereich der Buchproduktion sind Installationen von Digitaldrucksystemen wie die Prosper 1000 von Kodak oder die T300 von HP zu verzeichnen.

Druckdienstleister in den USA gehen diesen Weg. So hat beispielsweise das US-Unternehmen Courier Corporation die zweite T300 HP T300 für die Buchproduktion installiert.
Nach Angaben HPs produziert die erste T300 dort an fünf Tagen pro Woche 24 Stunden rund um die Uhr. Gedruckt werden hauptsächlich Lernmittel.

Auch bei CPI in Großbritannien setzt man mehrere T300 für den Buchdruck ein. Die Druckereien drucken meist auf ungestrichenem Material oder auf für den Inkjetdruck spezialisierten Papieren von Appleton oder NewPage. Die Qualität soll der Offsetqualität sehr nahe kommen und Experten, die Druckmuster gesehen haben behaupten, sie sei insbesondere bei leichten Grammaturen besser als Offset.

In Italien produziert Rotolitho Lombarda mit einer T300 Bücher und dessen Tochtergesellschaft Rotomail, einer von Kodak´s größten Versamark-Kunden, wird ebenso ein T300 Digitaldruck installieren. Eine weitere T300 Installation befindet sich in den USA bei King Printing Company, die bereits mit dem Digitaldrucksystem Truepress Jet520 von Screen produziert. Auch hier werden mit dem Inkjet-System Bücher produziert.

In Deutschland ist bisher keine T300-Installation bekannt. HP plant für Mitte 2011 eine weitere Einführung im Bereich Inkjet-Druck mit der T200, dem kleineren Drucksystem, die für kleinere Auflagen und schnellere Jobwechsel ausgelegt ist. Beide Systeme können sowohl für den Farbdruck als auch für den monochromen Schwarzweißdruck eingesetzt werden. Gerade im Schwarzweiß-Bereich sind heute noch xerografische Lösungen vorherrschend. Doch hier können die neuen Inkjet-Lösungen punkten, vor allem dann, wenn die entwicklungen im Bereich der Weiterverarbeitung neue Optionen bereitstellen.

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Gedruckter Spiegel bleibt Umsatzträger

Das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« ist und bleibt trotz zunehmender Digitalisierung des Medienmarkts die tragende Säule des Spiegel-Verlags. Dies gelte auch für den wirtschaftlichen Bereich, sagte Verlagschef Ove Saffe der “Süddeutschen Zeitung” (Samstagausgabe). Das Magazin mache zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus. »Wie immer sich Auflagenzahlen und Werbeerlöse entwickeln werden: Der gedruckte ‘Spiegel’ wird das Standbein im Verlag bleiben mit den meisten Lesern und dem höchsten Umsatz«, sagte Saffe. Von den Printzahlen seien die elektronischen Medien des Verlags »noch weit entfernt«.

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Kulturschock oder grenzenlose Information?

Da rollt eine Welle auf die Gesellschaft zu, die Generationen in zwei Lager spaltet. Die Jungen lernen spielerisch mit einem Medium umzugehen, das erst seit knapp fünf Jahren existiert. Sie integrieren Social Media Netzwerke wie Facebook (gegründet 2004) und Twitter (gegründet 2006) in ihren Alltag. Verabredungen trifft man Online, Informationen beschafft man sich in seinem sozialen Netzwerk bei Menschen, die man kennt oder denen man zumindest Vertrauen schenkt. Ein Problem wird in einem Forum »gepostet« und die Lösung gibt es postwendend direkt auf dem eigenen Rechner, schnell und kostenlos. Die junge Generation wächst auf in einer Medienwelt, die der »Erwachsenengeneration« noch fremd ist. Die Mechanismen verändern sich, es gib keine Filter mehr, die Informationen selektieren. Blogger umgehen die Arbeit von Redaktionen und die Informationsbeschaffung findet ihre eigenen Wege. »Jeder hat heute die Möglichkeit und die Tools, eigene Informationskanäle zusammenzustellen«, erklärt der Professor Klemens Skibicki, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Institutes für Kommunikation und Recht in Köln. »85 Prozent meiner Studenten sitzen mit dem Notebook vor dem Fernseher und in den Werbepausen schauen sie keine Werbung, sondern diskutieren nachweislich in Social Networks.« Die Auswirkungen auf Werbebudgets und Marketingstrategien werden enorm sein, so Skibicki, der dem sogenannten Social Commerce bis 2013 eine enorme Bedeutung voraussagt. »Märkte sind Gespräche«, sagt er und die seien interaktiv. Print dagegen sei ein Medium, das für Qualität und dauerhafte Informationen stehe. Die gedruckte Enzyklopädie beispielsweise werde allenfalls als Statussymbol für einen belesenen Hausbesitzer das Wohnzimmer schmücken.
Tatsache bleibt, dass Menschen gern anfassen, spüren, sehen und lesen. Daher wird Print seinen festen Platz auch in der modernen Medienwelt behalten. Für Verlage geht es also um die optimale Verknüpfung zwischen digitalen und gedruckten Medien und um die bestmögliche Zielgruppenansprache.

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Print muss sich neu definieren

»Wir müssen gemeinsam und nicht isoliert an unserer Zukunft arbeiten«, damit startete Gerd Finkbeiner seinen Vortrag, den er am gestrigen Donnerstag vor rund 160 Unternehmern und Fürhungskräften aus der Druckbranche während des Dehnberger Forums hielt. Die Verantwortung als Maschinenbauer für die Entwicklung neuer Technologien, für Service und Beratung standen ebenso im Fokus seiner Rede, wie sein Anliegen den fortwährenden Gerüchten am Markt mit einer Erklärung des Unternehmens gemeinsam mit dem Mehrheitseigner Allianz Capital Partners entgegenzutreten. »Manroland wird weiterhin als eigenständiges Unternehmen am Markt bestehen«, erklärte Finkbeiner, der weitere Kostenprogramme und strukturelle Maßnahmen ankündigte. Die ACP unterstütze das klare Bekenntnis zur Eigenständigkeit und stärke dem Unternehmen den Rücken für die Umsetzung der geplanen Kostensenkungsmaßnahmen.

»Mit dieser Erklärung sind die Gerüchte und Mutmaßungen der vergangenen Monate vom Tisch«, so Finkbeiner, der bekräftigte, dass man weder »in Wind- oder Wasserkraft noch in Solartechnologie« investieren werde. KBA hatte zuletzt seine Absicht bekundet, neue Geschäftsfelder in diesen Bereichen aufzubauen.

Der manroland-Chef bekräftigte sein Bestreben sich für die Zukunft für Print einzusetzen. Er forderte die Zuhörer auf mit einem klaren Bekenntnis und Schulterschluss Innovationen am Druckprodukt zu fördern. Als Beispiele nannte er die Möglichkeiten aus dem Bereich der gedruckten Elektronik. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Technolgien für Print seinen bei weitem noch nicht genügend erforscht.

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Rettung durch öffentliche Gelder?

Die Debatte um Subventionen für Druck und Medien Unternehmen und über Lobbyisten, die in Berlin und Brüssel staatliche Eingriffe in die Druckwirtschaft fordern, spaltet die Branche in zwei Lager. Während die Gewerkschaften am liebsten Geld aus Staatstöpfen zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze in der Druckindustrie einsetzen wollen, plädieren Unternehmervertreter dafür, dass sich der Staat langfristig komplett aus den wirtschaftlichen Belangen der Druckindustrie heraus halten soll. „Der Markt soll´s richten“ – lautet die Devise.

Diskutiert wird über Subventionen schon lange. Den Stein so richtig ins rollen brachte jetzt ein so genanntes „Hearing“ vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, EWSA, das die Auswirkungen des industriellen, gesellschaftlichen und technologischen Wandels auf die Beschäftigten der Druckindustrie analysieren soll. Vertreter der Tief- und Rollenoffsetdrucker, der Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Wissenschaft sprachen im März dieses Jahres in Berlin vor dem Unterausschuss der EWSA, der CCMI (Consultative Commission on Industrial Change), die zum Ziel hat „eine europäische Politik zur Sanierung der Großunternehmen des Druckgewerbes in Europa“ zu prüfen.

Vorausgegangen war eine von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in Auftrag gegebene Studie bei „Intergraf“ über „Die Zukunft der Druckindustrie“. Die Untersuchung habe das Ziel gehabt, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Andreas Fröhlich, Verdi-Bereichsleiter für die Druckindustrie, Papier und Verlage, erklärt den Vorstoß so: „Vor dem Hintergrund der starken Preisverfalls und des massiven Abbaus von Arbeitsplätzen, wünschen wir uns eine andere Förderlogik. Daher haben wir gemeinsam mit dem ZFA, (Zentralfachausschuss Berufsbildung und Medien) den Vorschlag unterbreitet, Strukturfonds für die Qualifikation von Mitarbeitern aufzulegen. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiter, insbesondere die der gefährdeten Betriebe, etwa der Tiefdruckstandorte, frühzeitig für neue Berufe zu qualifizieren. Wir denken da an eine Förderung für die Qualifikation in Richtung neuer Medien oder dem IT-Bereich.“

Verhandlungen auf Europäischer Ebene
Als Vertreter des Tiefdruckverbundes European Rotogravure Association, ERA, wandte sich John Caris, CEO des holländischen Tiefdruck- und Rollenoffsetkonzerns Roto Smeets Group an das Gremium mit dem Hinweis auf die seit Jahren in der Druckwirtschaft vorherrschenden Überkapazitäten und die verbreitete Preisdumping-Politik. Kapazitäten müssten seiner Meinung nach kontrolliert abgebaut und Personal umgeschult werden. „Eine Umstrukturierung ist dringend erforderlich“, so Caris, „doch die Unternehmen verfügen nicht über die Mittel, um Kapazitäten und Arbeitsplätze sozial verträglich abzubauen.“ Ohne die Unterstützung der EU sei dies nicht zu bewältigen, meint Caris.

Die EWA distanzierte sich bereits unmittelbar nach dem Hearing von den Forderungen Caris´. So hieß es in einem Schreiben: „Staatliche Steuerung und Subventionierung können nicht die Lösung im Strukturwandel sein. Auch wenn vereinzelt Großbetriebe sich für Subventionierung der EU stark machen, um ihre Probleme zu lösen, so bliebe dies ein Verstoß gegen den Markt.“

John Caris möchte allerdings kein Missverständis zum Ziel der Prüfung vor der Europäischen Kommission aufkommen lassen. „Natürlich ist es ein kompliziertes und schwieriges Thema und öffentliche Gelder dürfen nicht missbraucht werden, um Investitionen in neue Maschinen oder den Neubau von neuen Produktionsstätten zu finanzieren. Die von uns geforderten Subventionen sollen die Umstrukturierung in unserer Branche fördern, genau wie es beispielsweise in der Automobil-, Textil- oder Bauindustrie bereits geschehen ist – nicht zum Aufbau eines unehrlichen Wettbewerbs und schon gar nicht um weitere Kapazitäten in den Markt zu stellen“, stellt der CEO der Roto Smeets Group klar.

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Raus aus dem Preiskampf

Die Branche beklagt sich seit Jahren über den Preisverfall und macht die Überkapazitäten in der Produktion bedingt durch die technische Entwicklung schnellerer, größerer und immer effizienterer Maschinen dafür verantwortlich. Doch es gilt eben das Gesetz der Marktwirtschaft: Ein großes Angebot an Print-Dienstleistungen sorgt für ein günstiges Einkaufsklima beim Kunden. Auch der Lieferantenmarkt steht durch die sinkende Nachfrage und allgemeine Investitionszurückhaltung stark unter Druck. Es ist klar: Überkapazitäten müssen weg.

Doch sind es wirklich nur Überkapazitäten, die das Geschäft so kaputt machen? Spielt nicht auch die Vergleichbarkeit der Dienstleistungen und die mangelnde Innovationskraft eine große Rolle? Die Branche muss einen neuen Pioniergeist entwickeln. Niemals zuvor waren Erfindungsgeist und Kreativtät so gefragt wie heute. Über den Tellerrand schauen reicht da nicht aus. „Ich will ein Konzept entwickeln, bei dem mein Kunde eine Millionen Handzettel für umsonst bekommt!“, sagte mir mal ein Unternehmer. Jedoch habe er keine Ahnung wie er das realisieren solle – jedenfalls noch nicht.

Verdienen am Ende Drucker ihr Geld mit ganz anderen Dienstleistungen als allein dem Fertigen von Druckprodukten? Und woher sollen dann die Umsätze kommen? Anwtorten darauf haben diejenigen Unternehmen, die bereits frühzeitig neue Geschäftsfelder besetzt haben – und damit Geld verdienen, etwa Datenbank-Services, IT-Programmierung, Web-to-print-Hosting oder etwa Lager- und Logistik-Dienstleistungen, um nur einige zu nennen.

Heute rollt eine ganz neue Welle auf die Druckereien zu: Die Bestrebungen der Marketing-Abteilungen mit ihren Kampagnen auf allen Kommunkationskanälen vertreten zu sein – von TV über Radio, Website und Print bis hin zu allen wichtigen Social Media Communities. Das neue Schlagwort lautet: Multi-Channel-Marketing. Print ist hier nur ein Mosaikstein aus dem Gesamtbild und wer hier Dienstleistungen anbietet, die rund um Print weitere Kanäle abdecken, ist im Vorteil. Wer Spezialisten in sein Unternehmen holt, die für Verlage und Magazine die Programmierung von Anwendungen für das iPad realisieren, ist im Vorteil. Wer für seine Kunden Web-to-print-Anwendungen entwickelt, mit denen er seine Kunden stärker an sich bindet, ist im Vorteil. Und wer anschließend all diese Daten auch noch druckt, hat verstanden, worum es geht in der zukünftigen Multi-Channel-Marketing-Welt und der darf sich seine umfassenden Spezial-Dienstleistungen auch angemessen bezahlen lassen.

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